Time stands still
In diesem Jahr lagen das Lautenfestival auf der Burg Sternberg und das Spielertreffen in Cottbus so dicht zusammen, dass ich mich entscheiden musste. Ich habe das Spielertreffen gewählt, und, um es gleich vorweg zu sagen, für mich war das sehr gut. Üblich ist für mich das abendliche Spielen im stillen Kämmerlein. Nun also sich herauswagen, sehen und hören, was und wie andere spielen!? Kann ich mit meiner "Wild-West-Technik" überhaupt mithalten? Meine Sorgen waren aber schnell überwunden. Auch Fortgeschrittene Spieler spielten mit mir die Stücke, die ich mitgebracht hatte, und ich konnte bei anderen mitspielen. Das gemeinsame Üben machte richtig Freude, wenn auch beim abschließenden Werkstattkonzert einiges nicht so ganz klappte. Die ganze Atmosphäre an diesem Wochenende war so wohltuend. Wolfgang Wiehe leitete locker und souverän den Verlauf der musikalisch kaum planbaren Veranstaltung. Wunderbar war auch am Samstagabend das Konzert in der Oberkirche. Alexander Loewe (Laute), Antje Vesper (Sopran) und Olaf Heinrich (Gambe), sowie Klaus Beirich auf der Laute spielten so manche Lieder und Stücke, die ich von Einspielungen auf CDs kenne. Aber das ist alles keine Vergleich zum direkten Erleben, was mich bis in die Haarspitzen elektrisierte, z. B. bei Dowlands "Time stands still". Vielen Dank an alle netten Teilnehmer und besonders an Wolfgang für die vielfältigen Vorbereitungen und Durchführung. Ich möchte gern im nächsten Jahr wieder dabei sein.
Eberhard Jacobshagen, Wustrow/Wendland
Fotos von Lothar Wilfling und Wolfgang Wiehe:
http://www.flickr.com/photos/14868225@N04/sets/72157631714779876/with/8220393684/
Wieder Lautenklänge in der Lausitz
Zwischen Tradition und Neuem präsentierte sich das
6. Cottbuser Lautenspielertreffen am zweiten Oktoberwochenende dieses Jahres in den gotischen Gewölben und Schiffen der Oberkirche St. Nikolai.
Zum Musizieren an den Ufern der Lausitzer Spree fanden sich Sängerinnen und Sänger, Lautenisten, Harfen-, Flöten-, Fidel-, Gamben- und Violonespieler ein, um auf den spannenden Höhepunkt zuzusteuern. Der ist ja wie immer das Werkstattkonzert am Sonntagnachmittag, wenn es darum geht, die in kleinen Gruppen feingeschliffenen Programme erfolgreich aufzuführen.
Selbst mittelalterliche Wandstärken vermögen nicht gegen lautstarke Verstärkeranlagen anzukommen. Und so zwang uns ein Rummel auf dem Marktplatz vor Beginn des Konzertes von der atemberaubenden Akustik des Kirchenschiffes weg, in den Bonhoeffer-Saal. Einige Gesichter aus dem Publikum im bis auf die letzten Plätze besetzten Saal kamen mir schon aus den Vorjahren bekannt vor.
Das Konzert begann mit unseren eigenwilligen Interpretationen von Thoinots Arbeaus "Belle qui tien ma vie" und Pierre Attaingnants "Tourdion". Mittelalterlich ging es weiter aus dem "Codex Las Huelgas" und dem "Cancionero de Palacio". Um in der Region zu bleiben erklangen danach Vihuelakompositionen "Si la noche" und "Quien de hizo Juan pastor". Arcadelt und Ortiz waren zu hören und nochmals ein Stück von Attaingnants "Destre amoureux", um nur einige Darbietungen zu nennen. Einen würdigen Abschluss bildete Dowlands Duett "My Lord Willoughbies welcome home".
Traditionsreich und immer einer Erwähnung wert, ist natürlich auch das Mittagessen beim Griechen sowie der abendliche Umtrunk im spanischen Ambiente. Auch die musikalische Begleitung des Gottesdienstes war für die Besucher sicher wieder ein Erlebnis der besonderen Art.
Was in der Form neu war: es gab bereits am Samstagabend ein einstündiges Recital auf Renaissance- und Barocklaute, zu dem sich zahlreiche Zuhörer einfanden. Lautenist Magnus Andersson aus Schweden spielte dazu unter anderem Stücke von d`Aquila und Reusner. Wir wünschen Magnus für die Verwirklichung seiner Pläne in Berlin alles Gute. Klar machte uns Organisator Wolfgang Wiehe, dies wäre nun das letzte Lautenspielertreffen gewesen. Aber wohl nur für dieses Jahr! Oh Schock, und ich dachte schon.....
Nein, auch für unser nächstes Lautenspielertreffen stehen die Zeichen auf Grün, wird schon bald geplant und geprobt. Auch wenn das zahlenmäßige Verhältnis der Lautenspieler zu den Gesamtteilnehmern immer kleiner zu werden scheint, das wird die Tradition in Cottbus eher stärken.
Lothar Wilfling
Bericht zum Spielertreffen in München Herbst 2011
Liebe Lautenfreunde/innen,
das letzte Treffen ist nun schon längst wieder vorbei und jeder "werkelt" wieder überwiegend alleine vor sich hin. Da ist es vielleicht schön, in den Mitschnitt des letzten Treffen bzw. das Werkstattkonzert reinzuhören. Es war nicht nur ein "runder" Tag, sondern auch der Abschluss war hörenswert.
Muss ich erwähnen, wie wohl wir uns wieder in den Räumen der Musikschule Garching gefühlt haben? Wohl kaum, denn das sollte inzwischen jeder wissen. :) Ladet weiter ein, wen ihr ansprechen könnt - Vielfalt soll unser Motto sein. Keiner soll ausgegrenzt werden und wir wollen so spontan und beweglich bleiben, wie die Menschen es früher wohl auch waren, wenn sie mit den eben mal vorhandenen Instrumenten GEMEINSAM Musik machen wollten. Natürlich geht es uns um die Laute, aber die ist ja auch immer dabei.
Link zum Mitschnitt - dort der eingebettete Player am Ende der Seite:
http://www.muenchen-surf.de/RolandKauke/lauten.html
Zum nächsten Termin - den kann ich ausmachen, sobald für das Lautenfestival 2012 in Wien alles klar ist. Es soll auch vermieden werden, dass die Termine zu nah beieinander liegen. Um andere wichtige lautenistische Termine nicht zu übersehen wäre es hilfreich, wenn die - von wem auch immer - im Kalender des Lautenforums eingetragen werden. Immerhin kann das für jeden Interessant sein, da man dort dann auch Konzerte usw. findet.
Link zum Forum -
http://forum.lautengesellschaft.de/
Es grüßt euch herzlich,
Roland Kauke, München
Bericht zur III. Meisterklasse Lautenspiel mit Herrn Prof. Joachim Held
Bereits zum dritten Mal in Folge führte Herr Prof. Joachim Held (Den Haag/Bremen) eine Meisterklasse für Lautenspiel in Bad Alexandersbad (Bayern, Deutschland) durch. Vom 11. bis zum 14. Juli unterrichtete er insgesamt sechs zumeist junge, mehrheitlich Musikstudenten aus vier verschiedenen Ländern im Lautenspiel. Das Unterrichtsrepertoire spannte sich von frühen Werken spanischer Renaissancelautenmusik bis zur späten deutschen Barocklautenmusik. An den vier Tagen legte Prof. Held besonderes Augenmerk auf technische Schulungen der beiden Spielhände, und ging auf Elemente der historischen Vortragspraxis ein. Bei der Arbeit ging er sensibel auf die jeweiligen Kenntnisse des Schülers ein und machte keinen Unterschied zwischen einem fortgeschrittenen Spieler und einem weniger erfahrenen.
Die Meisterklasse fand ihren krönenden Abschluss in einem Abschlusskonzert im Festsaal Königin Luise in Bad Alexandersbad. Sowohl die Meisterklasse als auch das Abschlusskonzert waren integrale Bestandteile des XX. Festival Mitte Europa (Intendant Prof. Thomas Thomaschke). Seit 20 Jahren zählt das mehrwöchige Festival zu den innovativsten und kreativsten Kulturfestivals im Zentrum Europas.
Im Abschlusskonzert erklang Lautenmusik von Francesco da Milano, Melchior Neusiedler, Esajas Reusner, Diego Ortiz, Ennemond Gaultier und François Dufault, vorgetragen von jungen Lautenisten aus Deutschland, Tschechien, Japan, Italien und Österreich. Herr Prof. Held setzte einen krönenden Abschluss mit seiner Interpretation der Suite in G-Moll von Silvius Leopold Weiss.
Wien, am 16. Juli 2011
Bernhard Fischer
DLG - Mitglied